Knuts HFC-Welt

Fußballverstand

24. April 2013

Es gibt Dinge in der wunderbar riesengroßen Welt des Fußballs, die lassen sich einfach schwer erklären. Zum Beispiel, warum es Linienrichter gibt, die ihrem Chef nicht helfend zur Seite stehen – obwohl im neudeutschen Sprachgebrauch der “Schiedsrichter-Assistent” im wahrsten Wortsinn genau dafür da sein sollte. Genau diese Situation hatten wir hier im ERDGAS Sportpark letzten Samstag. Was in dieser 93. Minute dazu führte, dass der “linesman” von rot-weiß gekleideten wütenden Männern verbal auf Linie gebracht werden sollte. Nutze bekanntermaßen nix. Ob nun der Ball “drinner als drin” (Kreativ-Schöpfung des öffentlich-rechtlichen Berichterstatters) war, wie wir immer noch vermuten. Mit Fußballverstand jedenfalls war es danach schwer, nicht kickenden Landsleuten dieses unglückliche 1:2 gegen “Pele” Wollitz’ Osnabrücker erklären zu müssen. Genau wie die Ignoranz des Gäste-Keepers, der sich bei Maik Wagefelds Elfmeter partout nicht in seine linke Tor-Ecke werfen wollte, wie es sein Trainer wild fuchtelnd angewiesen hatte. Das Ergebnis ist lange bekannt, Kollege Riemann hatte (aus norddeutscher Sicht) alles richtig gemacht. Darf seine Kapitänsbinde behalten und am Samstag in gewissen Situationen wieder auf sein Bauchgefühl hören statt aufs Hirn. Reine Kopfsache ist es auch, wie Sven Köhlers Jungs mit der ersten Heimniederlage im Kalenderjahr umgehen. Der nächste Samstag kommt, Bielefeld wartet auf uns. Die Arminia, lange Zeit (neben dem KSC) vor allem in Sachen Cleverness die Übermannschaft dieser Liga, musste zuletzt ein 0:3 in Heidenheim schlucken. Garniert mit zwei Platzverweisen gegen die Sportkameraden Klos und Lorenz.. Die Rotsünder aus Ostwestfalen könnten sich ja mit unserem Gelbsuchtler Daniel Ziebig auf der Alm zum Skat treffen, nebenbei über die bajuwarische Heldentat gegen katalanische Messis plaudern.”Bay, bay, Barca”, schrieb Tuttosport, immerhin blieben selbst für die oft bitterböse englische Presse die Panzer in der Garage. Der landläufige Fußballverstand an diesem Halbfinal-Abend aber auch. Aber was lehrt uns das? Es gibt Momente in der wunderbar großen Welt des Fußballs, wo Namen oder Tabellenstände wenig zählen. Keine Angst vor großen Tieren? Keine Angst vor Bielefeld!

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Voll auf Kurs

11. März 2013

Sage (oder schreibe) noch einer – Norddeutsche hätten keinen Humor. Die Hansa-Berichterstatter fürs lokale TV-Magazion jedenfalls darf so fix keiner in eine solche Schublade stecken. Denn diese verglichen die in den letzten Wochen oft schlingernde Hansa-Kogge gleich mal mit DEM Traumschiff. In Sascha Hehns Kapitäns-Rolle packten sie Marc Fascher. Der sah bei Gegentor eins eine “Meuterei in der Abwehr”, beim zweiten HFC-Treffer “verschläft die Abwehr den Dienst an Bord”. Und nachdem Hansa den Ball zum dritten Mal aus dem eigenen Netz gefischt hatte, war dem Fernsehmann endgültig klar: “Traumschiff geht anders”. Ist aus MVP-Sicht an diesem Sonntag schon blöd gelaufen, so alles aus dem Ruder.

Voll auf Kurs Richtung Klassenerhalt schippert dafür unser rot-weißes Erfolgsboot und macht den ERDGAS Sportpark zur Wohlfühl-Kajüte für die Fans. Ein Tor gegen Babelsberg, zwei im Chemnitz-Schneegestöber, jetzt drei bei Hansa versenkt - Sven Köhlers Matrosen haben voll im Heimathafen geankert. Neun Punkte aus den letzten drei Heimspielen stehen im Bordbuch. Selbst ein Mastbruch (genauer Nasenbruch) konnte die Siegesserie nicht stoppen. Für Dennis krabbelte Chefkoch Nico aus seiner Kombüse und sorgte dafür, dass nichts mehr anbrannte. Denn Halle hat für seine rot-weiße Flotte mindestens drei mit Kapitäns-Patent. Wage ist für ruhige See im Mittel(feld)meer zuständig und für Freistoßflanken von links, Harti kann mehr als diese erfolgreich verwerten. Dazu Ziebe, der auf zugefluteten Lausitzer Braunkohlenlöchern Übungsstunden im Kite-Surfen genommen haben muss. Lektion 1: Wie segelt ein Ball gefährlich vors gegnerische Tor? Lektion 2: Wo steht Vollmatrose Furuholm, wo hebt er ab? Es waren genau diese Situationen, die an der Saale immer mehr zum Standard werden.

Am Freitag steht die nächste Kaperfahrt an, die dann vierte in der “Dreier”-Reihe? Leinen los - ein Sieg in Wiesbaden ruft keine Wehen hervor.

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Standard-Antwort

26. Februar 2013

“In einer Liga, in der die Mannschaften so gleichwertig sind, ist es besonders wichtig, dass man auch aus Standards Profit schlägt.” Jetzt könnt ihr gern die Zeitungen durchforstent, um herauszubekommen, wer diese Standard-Antwort gegeben hat. War es vielleicht unser Freistoß-Linksschütze Daniel Ziebig? Oder der schwer verliebte Kopfball-Yeti Steven Ruprecht? Vielleicht Fußballlehrer Sven Köhler?  Alle, die jetzt streng rot-weiß denken, müssen die Farbe Blau in ihre Rätselspiele einbauen. Denn kein Hallenser hat oben genanntes Zitat von sich gegeben – es war Heidenheims Kapitän Marc Schnatterer, der mit seinem Freistoß auf den Schädel von Kollege Kraus das 1:0 gegen Darmstadt vorbereitete und damit jegliche Sieg-Avancen der Lilien welken ließ. Darmstadt, unser nächster Auswärts-Gegner, konnte keine Tor-Antwort geben und verlor 0:3. Alles andere als Standard ist auch der Versuch, den Platzverweis gegen Benjamin Gorka (Glatt-Rot unmittelbar nach Foul-Gelb) rückgängig machen zu wollen. Der SV 98 legte Einspruch bei DFB ein – dieser wiederum beantragte per Sportgericht drei Spiele Sperre “wegen Schiedsrichter-Beleidigung”. Lilien-logisch wird auch dieser angedrohten Strafe nicht zugestimmt. Mal sehen, wie das weiter geht. Für unsere Standard-Helden Ziebig und Ruprecht ging es jedenfalls schon heute mit einer Nicht-Nebel-Einheit weiter. Soll heißen: Dienstag ist und bleibt Kraft-Tag unterm Dach der Brandbergehalle. Auch wenn, wie diese Woche, das Pflicht-Open-Air-Spiel erst am Sonntag angepfiffen wird. Beim Blick auf die eingeschneiten Übungsplätze hier am ERDGAS Sportpark und auf dem Sandanger jedenfalls verbietet sich jeder Gedanke an ein technisch hochwertiges Freiluft-Kicken.

Letzten Samstag waren die 95 Drittliga-Minuten ja wirklich das (früher nicht nur in der FRÖSI oft beschriebene) Manöver Schneeflocke. Rote Spielfeld-Markierungen, der Ball war ein – O-Schrift MZ-Liveticker – “Spielzeug aus der Hello-Kitty-Reihe” in “Pinkgelborangepfui”. Statt Kommissar Zufall trafen Knecht Ruprecht nach einer “Monsterflanke irgendwo von dort, wo sich Mittellinie und Seitenlinie gute Nacht sagen” sowie Dennis Mast. Und am Ende war eine “Stimmung im Gästeblock, als hätte der Nachbarshund den Kräutergarten zerlatscht.” Weil Stadionbesucher das ja nicht live lesen können, habe ich mir erlaubt, diese Satz-Schöpfungen einfach mal hier zu wiederholen. Schön, wenn der Unterhaltungsfaktor erhalten bleibt. Als Standard …

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Winter-Spiele

8. Februar 2013

Fast auf den Tag genau in einem Jahr werden im Urlaubsparadies Sotschi die Olympischen Winterspiele eröffnet. “Bolschoj Teatr” (großes Theater) haben Russlands Präsident Putin und seine hochkarätige Gästeschar vom IOC dafür gestern  am Schwarzen Meer abgehalten. Was das mit Fußball zu tun hat? Wenig – aber nur auf den ersten Blick. Die Winter-Spiele wurden auch in der 3. Liga ausgerufen. Zum Beispiel an den Schnee(matsch)-Standorten Stuttgart und Dortmund. Da wurde ausgesagt, dass abgesagt wird. Oder in Offenbach. Dort gab’s den Aus-Ruf für Trainer van Lent. Hier in Halle sah es nue heute Vormittag aus, als könnten die Ferienkinder (wie einst ihre wohl erzogenen Erzeuger) das Manöver Schneeflocke abhalten. Doch unser ERDGAS-Rasen ist grün, damit die Babelsberger morgen ihr blaues Wunder erleben. Zur Freude von ganz Rot-Weiß.

Doch zurück zu den Winter-Spielen: Die setzen auch dem Mitteldeutschen Rundfunk zu. Genauer – seinen reportierenden Allzweckwaffen. Ursprünglich stand wirklich mal Torsten Püschel auf der Arbeiter-Liste fürs filmreife HFC-Spiel. Doch der Olympia-Experte für (im Sommer Wasserspringen) kann nicht synchron das Mikro bedienen. Wenn die ARD Winterbefehl gibt, kombiniert “TP” nordisch. Also auch morgen. Da sendet das Erste über eisige Zeiten und Weiten, das “Zweite” war letztes Wochenende dran. Und Torsten püschelt nach Kasachstan, wo Uli Wehlings Erben Schanzen und Loipen im Weltcup bezwingen. Einer der neuen Helden übrigens heißt Frenzel. Erik, nicht Henning – das war ein Fußballer. Die Älteren werden sich daran erinnern. Zum Beispiel Eckhard Galley, Baujahr 1939, ein kompetenter schreibender Kollege. Mit Sohnemann Eik sind wir zurück im aktuellen “Sport im Osten”. Wie schon letzten Sonntag in Unterhaching spricht Galley Junior für die mdr-Zuschauer über das, was die HFC-Kicker auf dem Rasen zu Stande bringen. Wenn’s mit dem zweiten Halle-Sieg in Folge klappt, wär’s ein schöner Zufall. Weil Eik Galley an einem ARD-Sport-Wochenende eigentlich auch Winterdienst schieben müsste. Im Eiskanal. Doch die Bob-Piloten haben mal Pause, ihr Weltcup-Finale wird nächstes Wochenende ausgefahren. In – siehe oben – Sotschi.

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Tierisch, tierisch

29. Januar 2013

Der Schnee auf dem Trainingsplatz ist über Nacht so gut wie komplett weggetaut, der Pressestube-Ärger über das 1:1 gegen die Schwaben-Kickers irgendwie noch nicht. Schon als ich am Sonntag vor der Sport-Glotze saß, dachte ich mir - schon wieder haben uns die Schwaben einen Streich gespielt. Sie schickten die falschen Stuttgarter nach Halle, ließen eben einen Monsignore Molinaro zu Hause im Ländle. Der spielte den tödlichen Pass auf den eigenen Keeper. Im EGS machte das keiner. Es waren ja Diego Buchwalds Kickers hier am Defensiv-Werk, nicht der “Verein für Bayern”, der Mandzukic trefflichst bediente. Letztes Jahr waren die Brustring-Bewegungsspieler anders drauf. Brachten einen Rüdiger mit zum Betrieb machen statt halber Eigentore. Müßig zu erwähnen, dass dieser 19-jährige Schlaks am Sonntag Monsieur Ribery erfolgreich einbremste.

Unsere 3. Liga ist eben ein Tummelplatz für die oberste Bundes-Fußballklasse. Mittlerweile auch in die andere Richtung. Siehe Timo Furuholm. Der Zuletzt-Düsseldorfer, der besser englisch parliert als viele seiner Angriffs-Vorgänger einnetzte, bewies doch die positive Frechheit,  gleich in Minute zwei einen Teil seiner Leihgebühr zurückzahlen zu wollen. Drehung, Linksschuss, Winkel, Tor – und alles vor der rot-weißen Kurve! Schade nur, dass der Stürmer danach nicht mehr das entscheidende Mittel fand, den Dreier einzutüten. Trotzdem: “Fury” war genau so ein wilder Soccer-Mustang wie damals der echte im Schwarz-Weiß-TV. Falls einer jetzt nichts mit diesem Fernseh-Bild anfangen kann – fragt eure (Groß-)Eltern nach diese Erfolgsserie im Filzlatschenkino des letzten Jahrhunderts.

Aber jetzt zurück in die Zukunft: Am Sonntag geht’s zu den Bobfahrern nach Unterhaching. In den Sportpark, wo der Mannschaftsbus an der Eckfahne zuschaut, wie vielleicht “Ziege” (laut Spielerpass Björn Ziegenbein) trifft. Wird garantiert eine tierische Angelegenheit. Die Bayern haben sich beim FC Bayern bedient, “Schweini” wurde ausgeliehen. Eine sportliche Rückholaktion nach knapp drei Jahren. Tobias Schweinsteiger schoss von 2008 bis 2010 insgesamt 22 Tore. Oft schaute Bruder Bastian zu, der hat Sonntag Nachmittag Zeit fürs Comeback seines großen Bruders. Ganz nebenbei: Beide Oberaudorfer waren Top-Skifahrer. Gutes Omen – der Schnee in Unterhaching ist auch weggetaut …

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Stille Nacht

21. Dezember 2012

Unser wunderschöner ERDGAS Sportpark feiert Weihnachten. Die Kicker haben sich in den Urlaub verabschiedet. Kabine und Mannschaftsraum, aus dem das letzte halbe Jahr doch ein paar laute Worte unvermittelt und unerlaubt nach außen drangen, haben jetzt auch tagsüber ihre “Stille Nacht”. Vereinzelte w(i)enige Irrläufer wuseln noch über den Parkplatz. Der eine sichert Weihnachtssterne vorm Frost. Ein anderer holt einen Bus für die Weltreise nach Merseburg. Bernd bringt Brot von Paul. Da – ein Brauer! Der aber hat kein Festtagsbier dabei, sondern (ich hab’ ihn nicht gefragt) wahrscheinlich einen neuen Sponsorvertrag.

Es ist schon erstaunlich, was sich ohne Fußball im Fußball noch tut. In der Schweiz finden fiktive Auslosungen ihre reale Wiederholung, in Wolfsburg wurden (blonde) Engel gesichtet. In Halle zeigen schlaue Lederball-Treter, das sie mehr sein können als rot-weiße Fest-Deko auf einer Pyramide. Es war schon schön zu erleben, wie drei Hobby-Verkäufer aus Halle literweise Glühwein an den Mann und die durstige Frau brachten. Und das an einem Stand eines Magdeburgers. Satte 504 Euro brachte die Benefiz-Aktion für die Marienbibliothek Halle. Auch dank einer Wette, die Marco Hartmann, Dennis Mast und Darko Horvat mit dem Fan aus der Heimatstadt des Viertligisten eingingen. Wenn dieser nämlich (der Fotobeweis liegt vor!) eine “Chemie”-Jacke anzieht, war pro HFC-Nase ein Schein ins Schwein fällig. Ganz nebenbei hatten auch ungezählte Autogrammsammler ihren heißen Spaß. Danke allen! Für Nachwuchs, das meine ich nicht nur sportlich, ist hier auch gesorgt. Unsere U17-Junioren jedenfalls legten sich sozial auch mächtig ins rot-weiße Zeug. Sie überreichten dem Verein zur Förderung krebskranker Kinder Halle (Saale) e.V. einen Scheck in Höhe von 800,00 Euro. Das Geld „verdiente“ sich die Mannschaft durch verschiedene Projekte wie bei einem Kuchenbasar an der Sportschule, persönlicher Versteigerung, Singen und Arbeiten im Haushalt und bei Freunden.

Weihnachten kann kommen – unser erster Finne ist auch bald da. Wenn er für Rot-Weiß kickt, wird’s wieder richtig laut hier. Stille Nacht? Rot-Weiße Nacht!

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Ein Fall für Mast

6. Dezember 2012

Langsam reicht’s! Die Zahl derer, die meinen “Betriebsun-FALL” (letzterer war’s im eigentlichen Sinne des Wortes) von Offenbach kalt ließ, ist immer noch an einer Hand abzuzählen. Heute auf der obligatorischen Pressekonferenz mit unserem Trainer Sven Köhler waren ausgerechnet die sonst so schnellen privaten Radio-Reporter immer noch nicht im Bilde. Warum das Pflaster auf der Nase? Weshalb die linke Hand verbunden? Wieso die freundlichsten Hinweise der (wissenden) Kollegen und klitzekleine Rutsch-Risiken vorm Stadioneingang? Liebe B.K., lieber T.R. (Namen der Redaktion bekannt) – ich werde nur das wiederholen, was ich schon letzten Sonntag den um eine Nachdrehe ringenden TV-Saalekreisler gesagt hatte: “Der Mast ist schuld!” Obwohl: Gegen einen solchen (Flutlicht-)Mast bin ich auf dem Bieberer Berg doch nicht gerannt. In dem modernen Stadion war das Kunstlicht schön in die Dachkonstruktion eingearbeitet. Die Straßenlaternen habe ich auch erst gesehen, als unser Doc meine Nase geleimt hatte und ich danach wieder sicher auf den Beinen stehen durfte. Von möglicherweise im Weg stehenden Torpfosten war ich “jwe” – janz weit entfernt. Wie die Fernsehbilder mir später zeigten, war ich auch nicht für Dennis’ Sieges-Tänzchen zugelassen. Das fand ja auf dem Rasen statt. “DORT macht man auch einen Diver, wenn man ihn kann. So mit den Armen nach vorn und eben UNBEDINGT auf Rasen”, wie mich Ball-Catcher “JR” unter der Woche mehrfach erinnerte. Danke, edler Ritter. Danke, mdr, für deine Mediathek. Aufschluss aber, mit welcher FALL-Technik und -Geschindigkeit ich Richtung Beton-Spielfeldumgrenzung prasselte, konnten die öffentlich-rechtlichen Aufzeichnungen auch nicht bringen.

So blieb Knuts Welt in dieser Woche halt eine klein bisschen andere. Vortänzer Dennis Mast war irgendwie besonders freundlich zu mir. Vielleicht interpretiere ich ja sein Dauergrinsen auch völlig falsch. Kann ja locker sein, dass er Samstag gegen Karlsruhe wieder treffen will und mich mit dem heftigen Augenkontakt warnt: Vorsicht – bitte zum Jubeln nur die Faust ballen. Tore sind ein Fall für Mast – Knut ist kein Fall für Mannschaftsärzte. Ich rede mir diese Version einfach mal ein, benutze (auch unter der Woche) hier im Stadion NOCH mehr den (stufenlosen) Fahrstuhl und vermeide Kontakt mit in der Kälte bibbernden Personen auf dem VNG-Parkplatz. Kam doch gestern eine (HFC-fremde) Dame im Dunklen auf mich zu, sah mein weißes Nasenpflaster und in mir einen bitterbösen Rowdie. “Na, beim Fußball geprügelt?” “Der Mast ist schuld”, wäre die falsche Antwort auf diese wahre Geschichte gewesen …

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Kinder an die Macht

23. November 2012

Weil ja die schwarz-gelbe Übermacht seit Monaten Fußball-Europa erobert – die Tulpen in Amsterdam lassen ja noch immer die Köpfe hängen – sind die Samstags-Bilder hier aus dem ERDGAS Sportpark auch immer wieder allgegenwärtig. Ecke von links, Kopfballverlängerung, ein BVB-Schädel nickt aus nächster Nähe ein. Null zu eins, null (eigene) Tore, null Punkte. Die Stimmung auf dem Nullpunkt. “Alles wird besser”, sang Silly mit Tamara Danz auf dem Album FEBRUAR, ihrem letzten vor der Wende. Weil die Textzeile mit “doch nichts wird gut” weitergeht, scheidet diese Platte als Einmarschmusik morgen im Ludwigspark zu Saarbrücken definitiv aus. Lustige Volksmusikanten-Schunkelmusik natürlich auch, das widerspricht sowohl Noten-Geschmack unserer Kicker als auch der allgemeinen Stimmungslage. Obwohl: Der Randfichten-Holzmichel könnte funktionieren. Weil ja Trainer Köhler aus dem Erzgebirge stammt. “Ja – er lebt noch”, könnte sinnbildlich fürs rot-weiße Kämpferherz stehen, dass im Saarland wieder kräftig schlagen wird. Unsere (in Aachen so erfolgreiche) Abteilung Attacke darf gern für Rammsteins “Feuer frei” plädieren. Das Mittelfeld sich Wage-mutig in jeden Zweikampf hauen, dass die Höllenglocken (Hells bells) klingen. Die Viererkette an manch erfolgreiche Abwehrschlacht der letzten Saison denken – ganz nach dem neuen Silberling der Puhdys “Es war schön”. Doch weil wir ja gut gelaunt und alle gemeinsam “Weihnachten in Familie” feierrn wollen, sind alle Herz-Schmerz-Dudeleien sofort aus jeder Musicbox zu entfernen. Auch all die Lobes-Hymnen, die unseren Jungs zu Saisonbeginn gesungen worden sind. Nostalgie ist out, kräftige laute Beats sind angesagt. Sven Köhler war ja schon letzten Samstag der lautstarke Einpeitscher. Manch schreibender Kollege wollte durch die (Nicht-Schallschutz-)Wände zur Kabine bei unserem Trainer ein Rapper-Talent rausgehört haben. Kann ich so wirklich nicht bestätigen. Auf der Pressekonferenz gestern dachte ich eher in Richtung Herbert Grönemeyer. “Spieler sind manchmal wie kleine Kinder, sie brauchen eine Zurechtweisung”, argumentierte Köhler. Was ich damit sagen wollte? Wenn “Kinder an die Macht” kommen, ist das auch hitverdächtig. Oder?

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Wir sind vielleicht vermeintlicher Favorit

15. November 2012

Auch in der heute so modernen Welt der Kommunikation legen Fußballlehrer immer wieder gesteigerten Wert darauf, zukünftige Kontrahenten selbst zu beobachten. Motto: “Im Stadion siehst du mehr als am Computer.” Weil zudem vier Augen mehr sehen als nur zwei, hat unser Cheftrainer Sven Köhler zumeist seinen Assistenten Dieter Strozniak mit auf Spionage-Wanderschaft genommen. Doch zeitgleiche Spiele oder andere logistische Unwägbarkeiten haben es diesmal verhindert, die schwarz-gelben Bubis vom Borsigplatz live in Augenschein zu nehmen. So muss dann doch die Video-Technik als Spielvorbereitung herhalten. Konkret läuft das über die Firma “die ligen gmbh”, die jede Drittliga-Begegnung in voller Länge aufzeichnet und diese dann den beteiligten Vereinen zur Verfügung stellt - als taktische Grundversorgung. Das Team von “HFC TV” liefert die Extras – auf Trainer-Bestellung. Zum Beispiel Standard-Situationen wie Ecken oder Freistöße, die komprimiert zusammengeschnitten und dann der Mannschaft am Fernseher präsentiert werden. Damit am Ende jeder Rot-Weiße verinnerlicht, welche Finessen Schwarz-Gelb anzubieten hat, gibt’s parallel dazu erklärende Trainerworte.

Borussia Dortmund setzt, wie könnte es anders sein – auf die Taktik von Meistermacher Jürgen Klopp. Der hat nach seinem ersten Titel mit dem BVB entscheidenden Anteil daran, dass David Wagner seit über einem Jahr an der Seitenlinie der U23 die Kommandos gibt. Wen der Jürgen in Dortmund für diese Personalentscheidung weich kloppen musste, ist strengstes BVB-Geheimnis. Denn Kollege Wagner war “Eurofighter”, als UEFA-Cup-Sieger 1997 mit Schalke 04. Weil der David aber brav ein (Klopp-)Basecap trägt und sein Aufstiegs-Weg zur 3. Liga mit zwei Siegen gegen den 04-Nachwuchs gepflastert ist, ist die Vergangenheit wirklich abgehakt. Außerdem – Klopp und Wagner kennen sich 25 Jahre, vier davon trugen sie gemeinsam das Trikot von Mainz 05. Was Wagner vom HFC hält, bleibt hier verschwiegen. Das steht alles im aktuellen CHEMIKER. Den gibt’s Samstag hier am und im ERDGAS Sportpark.

Was dürfen wir im Duell der Aufsteiger auf dem Platz erwarten? Auf jeden Fall unsere Mannschaft in DEN weißen (Erfolgs-)Trikots, die sie auch beim 2:2 gegen Bielefeld und beim 3:0 in Aachen trug. Junge Dortmunder, die “den Ball in vorderster Front erkämpfen” wollen, was Sven Köhler ausgemacht hat. Und Dennis Mast links vorn, der “jeden verlorenen Zweikampf als persönliche Beleidigung” empfindet, wie er auf der Pressekonferenz heute kundtat. Er sagte auch: “Wir sind vielleicht vermeintlicher Favorit.” Wem jetzt noch irgendwas unklar sein sollte – 90 Minuten Erhellung kommen Samstag ab 14 Uhr.  Ich gehe mal nicht davon aus, dass euch beim deutschen Länderspiel-Halali 2012 in Amsterdam die Lust auf Fußball vergangen ist.

 

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Punkt-Landung

5. November 2012

„Punkteteilung“ heißt das wunderbare Wort, das im Fußball-Lexikon ein Unentschieden statistisch erklärt. „Geteiltes Leid ist halbes Leid“, sagt der deutsche Volksmund. Doch dieses Sprichwort ist zu Zeiten erfunden worden, als noch kein Germane sich Wochenende für Wochenende die Töppen anzog. Das bezeugten spätestens die (geteilten) Reaktionen auf das regennasse 2:2 bei Aufsteiger Hallescher FC und Aufstiegs-Mitfavorit Arminia Bielefeld.

„Ein Punkt für die Moral“, war das Urteil, das Cheftrainer Sven Köhler in jedes Mikrofon fällte, das ihm am Samstag über den Weg lief. Von Leid also konnte bei Rot-Weiß keine Rede sein. Dafür bei Köhlers Kollege Krämer? Dieser jedenfalls beschäftigte sich auf der Bus-Heimfahrt auf intensivste Art und Weise mit mehrfachem Betrachten der TV-Aufzeichnung der 90 Regenminuten im ERDGAS Sportpark. Das Frisuren-Double von „Atze“ Schröder kam dann, als die Lockenpracht lange wieder getrocknet war, zu der Erkenntnis, einen „Kindergarten-Elfmeter“ vorm 2:2 gesehen zu haben. Vielleicht ist ja auch der Schiedsrichter ein Freund deutscher Sprichwörter - zum Beispiel von „Steter Tropfen höhlt den Stein“. Marco Hartmann, der Krabbelgruppe längst entwachsen, legte sich mit Fremd-Einwirkung im Bielefelder Strafraum. Andis Shala (1,91 Meter) sank hernieder. Selbst vorm Elfer-Pfiff wurde Michael Preuß´ Trikot einem (zugegeben leichten) Zupf-Test unterzogen.

Glück für die einen, Pech für die anderen? Philipp Heerwagen möchte sich nach diesem Wochenende bestimmt nicht an solch einer Diskussion beteiligen. Der Torwart von Zweitligist VfL Bochum (amtierender Cheftrainer dort ist übrigens mit Karsten Neitzel ein Ex-HFCer) haderte stattdessen mit zwei „Vollpfosten“. Kopf Sanogo (Cottbus), Aluminium, Gesicht Heerwagen - Gegentor eins. Schuss Banovic, Pfosten, Hinterkopf Heerwagen, Fuß Sanogo - Gegentor zwei. Ach so: Bochum kam eine Minute vor Schluss (ohne Pfosten) zum 2:2. „Das war wichtig für die Moral“, urteilte Lukas Sinkiewicz. Schlusswort: „Punkteteilung“!

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